Ayurvedische Ernährung: achtsam essen & genießen!

Alle, Ayurveda, Ernährung | 30. November 2021  | Iris Leitner | 0

Ernährung ganzheitlich betrachtet

Das Thema Ernährung ist so eine Sache: Es gibt unzählige widersprüchliche Ernährungsempfehlungen, die nach kurzer Zeit von einem neuen Trend abgelöst werden. Du denkst jetzt vielleicht Ayurveda, schon wieder eine neue Diät!?

Im Ayurveda betrachten wir die Ernährung, wie könnte es anders sein, ganzheitlich!
Wir fokussieren uns weniger auf einzelne Nährstoffe oder Moleküle und schon gar nicht auf die Anzahl der Kalorien.
Wir haben genauso den Zusammenhang von Stress und Essverhalten im Blick. Vielleicht rührt Dein hoher Zucker- oder Kaffeekonsum daher, dass Du Dir zu wenig Pausen nimmst und damit Deine Müdigkeit überdecken musst?
Zu diesem ganzheitlichen Blick gehört auch das Bewusstsein, dass es eine Form von Nahrung gibt, mit der Du Deine Seele nährst. Dieses Soulfood kann ein Hobby sein, das Dich glücklich macht. Musik, Begegnungen mit anderen, Yoga oder eine Massage. Wenn ich ein Wochenende lang tanze brauche ich nichts anderes zu essen.

Was ist Dein Soulfood?

Achtsamkeit und Ernährung

Essen nach den ayurvedischen Prinzipien bedeutet dass Du Dich mit dem nährst, was Dein Körper leicht verwerten kann. Dazu ist Achtsamkeit die wichtigste Zutat einer Mahlzeit!, So spürst Du, welche Lebensmittel Dir gut tun, unabhängig davon, ob sie gerade Jemand für besonders gesund erklärt hat oder nicht.
 
Deine Nahrung soll Genuss für alle Deine Sinne sein. Sie soll schön aussehen , gut duften und fein schmecken.

Deine Ernährung kann Dir helfen, auf den verschiedenen Ebenen in Balance zu bleiben. Nahrung kann Dich psychisch stärken indem sie Dich erdet. Das ist besonders wichtig in trubeligen Zeiten, in denen Deine Gedanken gar nicht zur Ruhe kommen möchten.
Deine Lebensmittel können sogar wie Medizin wirken, welche Krankheitssymptome lindern können und Dir helfen, aus einer Dysbalance heraus zu kommen.

Die SOUL - Formel

Durch eine Dozentin in der Ayurveda Ausbildung: Dr. Nadine Webering habe ich diese Ernährungs-Formel kennengelernt, die die Basis der ayurvedischen Ernährung bildet.
Sie gefällt mir deshalb, weil die Grundsätze so gut zu meinen Werten, Natürlichkeit und Einfachheit, passen. Soul steht für SAISONAL, ORGANISCH, UNVERARBEITET und LOKAL.

SAISONAL

Wir bestehen als Teil der Natur aus den gleichen Grundbausteinen, den Elementen, wie die Lebensmittel. Deshalb kann unser Körper die Nahrung, die zur jeweiligen Jahreszeit wächst am einfachsten verdauen und aufnehmen. Sie versorgt uns mit dem, was der Körper genau zu dieser Jahreszeit braucht. Zum Beispiel im Herbst und frühen Winter, wenn das Vata-Dosha vorherrscht verwenden wir erdende Gemüsesorten, um das Übermaß an Vata auszugleichen. Dazu gehört alles Gemüse, was direkt in der Erde oder nah am Boden wächst wie Kürbis, Pastinake, Karotte. Allgemein wirkt der süße Geschmack erdend auf uns. Wohingegen im Sommer Tomaten und Erdbeeren Saison haben, die kühlend auf unseren Organismus wirken und somit die Hitze des Sommers gut ausgleichen.

ORGANISCH

Wir nähren unseren Organismus am besten mit natürlichen Lebensmitteln, um ihn so wenig wie möglich mit Spritzmitteln und Zusatzstoffen zu belasten. Diese erkennt unser Körper als fremd, er kann sie nicht verdauen. Dadurch entstehen Toxine und es bilden sich Ablagerungen, im Ayurveda Ama genannt, im Körper.

UNVERARBEITET

Nimm die Lebensmittel so naturbelassen wie möglich zu Dir. In Fertiggerichten ist die Liste der Zutaten lang und die meisten kryptischen Namen kenne ich gar nicht. Wie soll sie dann mein Körper erkennen? Als grobe Faustregel gilt: Je weniger Zutaten in einem Lebensmittel sind, desto besser. Optimal sind bis zu drei Zutaten, maximal fünf. Zähl mal die Anzahl der Zutaten auf der Verpackung und versuche sie zu entschlüsseln. Selbst kochen und zubereiten ist deshalb die erste Wahl, weil Du dann weißt, was Du Deinem Körper zuführst oder zumutest.

LOKAL

Die Natur bringt dort, wo Du lebst genau das hervor, was Dein Körper braucht und mit was er am besten umgehen kann. Daraus kann er die meisten Nährstoffe ziehen und alle Deine Körpergewebe nähren.
Im Ayurveda gehen wir außerdem davon aus, dass reife Früchte und reif geerntetes Gemüse mehr Vitalenergie, also Prana, enthalten. Reifes Obst schmeckt ja auch viel besser. Wenn Du Papayas, Mangos und Ananas einmal in ihrem Ursprungsland gegessen hast, kannst Du bestätigen, dass das kein Vergleich ist mit dem was hier angeboten wird.

Bis hier alles nachvollziehbar, oder?

Nun folgen die Top 5 der ayurvedischen Ernährungs-Empfehlungen, mit denen Du direkt starten kannst:

  • Bevorzuge warme Nahrung
  • Integriere alle sechs Geschmacksrichtungen in Deinen Speiseplan
  • Nimm die größte Mahlzeit mittags zu Dir
  • Iss (nur) wenn Du Hunger hast
  • Die 80:20 Regel

1.) Bevorzuge warme Nahrung

Das ist anfangs eine große Umstellung. Kaltes Essen und kalte Getränke muss der Körper erst einmal auf Temperatur bringen. Außerdem ist der Geschmack viel intensiver, wenn Dein Essen mindestens Zimmertemperatur hat. Käse schmeckt einfach viel besser, wenn man ihn einige Zeit vor dem Verzehren aus dem Kühlschrank holt. Probier es aus! Gekochtes Essen ist meistens auch leichter verdaulich. Ich möchte inzwischen diese angenehme Empfindung nicht mehr missen, etwas warmes im Bauch zu haben. Wenn ich mal richtig durchgefroren bin, hilft in der Regel nur noch Wärme von innen in Form von warmem Tee oder Suppe.

So gelingt es Dir...

Nimm Dir vor, einmal in der Woche warm zu frühstücken oder Abendzuessen.
Zum Frühstück bereite Dir einen Porridge zu. Alternativ erwärmst Du die Milch für Dein Müsli oder holst Dein Joghurt wenigstens eine Stunde vor dem Frühstück aus dem Kühlschrank, damit es Zimmertemperatur hat.
Abends koche Dir eine Suppe oder einen leicht verdaulichen Eintopf.
Einmal pro Woche ist ein super Einstieg in die wohltuende, ayurvedische Ernährung.
Falls Du vorerst beim Brot bleiben möchtest, röste Dir das kurz in der Pfanne mit etwas Fett an. Das schmeckt viel intensiver und es duftet herrlich!!

2.) Integriere alle sechs Geschmacksrichtungen in Deinen Speiseplan

Eine ausgewogene Mahlzeit soll alle sechs verschiedenen Geschmäcker beinhalten: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend/ adstringent. Auch hier tauchen die Elemente wieder auf. Jeder Geschmack setzt sich aus 2 Elementen zusammen, aber das führt ein bisschen zu sehr ins Detail. Wir wollen es einfach und leicht halten!

Zum süßen Geschmack zählen Getreide ( Kohlehydrate), süßes Obst und süßes Gemüse.
Aber was steckt hinter Zusammenziehend ?  Kurkuma, Hülsenfrüchte oder Sprossen gehören dazu.
Der bittere Geschmack ist bei uns der unbeliebteste, er wird aus vielen Gemüsearten heraus gezüchtet. Dabei ist die bittere Note so wichtig für eine gute Verdauung, denn sie regt die Bildung von Gallensaft in der Leber an.
Fehlende Geschmacksrichtungen kannst Du sehr gut mit Gewürzen und Kräutern hinzufügen.

So  gelingt es Dir:

Versuche die bekannten Lebensmittel bewusst zu schmecken. Welcher Geschmack hat z.B. Petersilie?
Beobachte eine Woche lang, welche Geschmacksrichtungen in Deinem Speiseplan vorkommen und welche nicht.

3.) Nimm die größte Mahlzeit mittags zu Dir

Mittags ist Deine Verdauungskraft am stärksten, genau wie die Sonne am höchsten Punkt steht. Zwischen Abendessen und Schlafen sollten mindestens 2 Stunden, besser drei bis vier Stunden Zeit liegen, damit Dein Körper die Mahlzeit vollständig verdauen kann. So kann er sich in der Nacht um die grundsätzliche Reinigung und die Reparaturen kümmern. 

So gelingt es Dir...

Suche Dir fürs erste ein oder zwei Tage in der Woche aus, an denen Du mittags Deine Hauptmahlzeit isst. Du wirst merken, wie angenehm das ist und wie das Deinen Schlaf positiv beeinflusst. Thermobehälter sind eine super Hilfe, um unterwegs warm essen zu können. Einfach abends ein bisschen mehr kochen und am nächsten Tag nochmal genießen.

4.) Iss ( nur) wenn Du Hunger hast!

Erst wenn Dein Körper ein eindeutiges Signal von Hunger sendet ist er bereit, neue Nahrung aufzunehmen. Wenn Du das beherzigst ergeben sich daraus ausreichend lange Pausen zwischen den Mahlzeiten, in denen Dein Körper sich um die Verdauung kümmern kann.

So gelingt es Dir...

Achte eine Woche darauf, aus welchem Grund Du isst: Aus Gewohnheit? Langeweile? Frust? Genuss und Freude? Einsamkeit? Oder weil Dein Körper tatsächlich Energie braucht?
Bitte verzweifle nicht, wenn Du das anfangs nicht unterscheiden kannst. Es ist ein Weg, der Zeit braucht. Ich bin auch noch mittendrin, körperlichen Hunger eindeutig von emotionalem Hunger unterscheiden zu können.

Zum Schluss kommt noch meine liebste Regel!

5.) Die 80 : 20 Regel

Wenn Du Dich zu 80 % bewusst und gesund ernährst, dann kann Dein Körper mit den restlichen 20 %, die nicht ganz optimal für ihn sind, klar kommen. Er wird davon keinen Schaden nehmen. Du darfst auch mal alle fünf gerade sein lassen. Du musst nicht immer vernünftig sein. Das finde ich sehr befreiend, weil das Leben nicht nur daraus bestehen sollte, seine Ernährung zu kontrollieren!!! Wo bliebe denn da das Vergnügen und der Genuss??

Mit dieser Regel gelingt es Dir mit Leichtigkeit! 

Hier findest Du drei Rezepte für einen ayurvedischen Tag zum Download damit Du gleich starten kannst:

Sie sind allesamt geeignet um eine hohe Vata-Energie auszugleichen, wie z.B. an kalten, windigen Herbsttagen.

Ich wünsche Dir viel Spaß beim Nachkochen und Neues ausprobieren!

Es gibt noch viele Ideen, wie Du Dich aus ayurvedischer Sicht gut nähren kannst, ohne Deinen Stoffwechsel zu belasten. Die Basics zu integrieren dauert schon eine gewisse Zeit und wir wollen es ja nicht gleich übertreiben. Langfristige Veränderungen schaffst Du am ehesten, wenn Du Neues in kleinen Häppchen in Deine bisherigen Alltag integrierst.

Schreib mir gerne, ob sich einzelne Empfehlungen mit Deinen Erfahrungen decken. Was lässt sich leicht umsetzen und mit was hast Du Mühe?
Melde Dich, wenn ich Dich dabei unterstützen kann, Deine Ernährung Schritt für Schritt stimmig für Dich anzupassen.